Freitag, 29. April 2011

1. FC Köln: Schaefer, Finke, das Team und die Fans

Dass Frank Schaefer schon jetzt zurückgetreten ist, finde ich völlig in Ordnung. Die Chancen auf den Klassenerhalt unter ihm waren zuletzt dramatisch gesunken. Als reflektierter Mensch hat Schaefer das erkannt: "Ich bin zu der Erkenntnis gelangt, dass ich der Mannschaft im Moment nicht mehr so weiterhelfen kann, wie ich es für nötig erachte." Er ist sich auch zuletzt treu geblieben. Das ist gut und spricht für ihn.

Schaefer, Finke, das Team, die Fans - wer spielt welche Rolle beim FC im April 2011? Wenn eine Mannschaft drei Spieltage vor Saisonende quasi zerfällt, wird man zumindest leise nachfragen dürfen: Wessen Aufgabe ist es, das zu verhindern? Richtig, des Trainers. Dass es nicht förderlich ist, wenn der Sportdirektor gleichzeitig beleidigte Stars an der Bande des Trainingsplatzes in die Arme schließt, und ihnen damit eine Anlaufstelle gibt, ist auch klar.

Und noch was: Ich finde es so richtig daneben nicht in Ordnung, wenn der Sportdirektor öffentlich den Glauben des Trainers als Problem darstellt. Das muss man sich mal vorstellen: In der Bundesliga bekreuzigen sich die Spieler, jubeln nach Toren zu Gott und hier wird ein Trainer deshalb subtil als ein wirrer Missionar dargestellt. Dass es dann auch Spieler gibt, die die Stirn in Falten legen, ist doch klar.

Was ich noch erstaunlicher finde: Ein Trainerrücktritt ist, 20 Minuten nachdem er in der Kabine (!!) verkündet wurde, bereits im Internet zu lesen! Einerseits: Chapeau an den, der es veröffentlicht! Wenn sie beim FC so professionell vernetzt wären und arbeiten würden, wäre der Klub längst in der Champions League! 
Andererseits: Was sagt das über den Verein aus? Als Leser finde ich es  natürlich klasse, wenn ich Dinge aus der Kabine erfahre. Und niemand kann mir erzählen, er würde solche Infos nicht neugierig aufsaugen. Aus Vereins- bzw. Mannschaftssicht ist das eine Katastrophe. Besonders dann, wenn es seit Jahren so läuft. Und vor allem, wenn jeder, der die Zeitung aufmerksam liest, auch weiß, woher das kommt.

Als Fan wehre ich mich, die Spieler jetzt als Söldner zu beschimpfen. Die Spieler, die mich vor vier Wochen noch glücklich gemacht haben. Wo wir nach dem dem dritten Kölsch stolz gesagt haben, was wir jetzt für ein tolles Team haben. Wer, und vor allem wer von den eigenen Spielern, soll mich denn da noch ernst nehmen??

Was bleibt von Frank Schaefer? Als Trainer hat er den Nerv der Menschen getroffen: Die Sehnsucht nach etwas mehr Ehrlichkeit, weniger Söldnertum und Klüngel. In den Heimspielen war diese Illusion oft so präsent, dass wir sie alle glauben wollten, manchmal mussten. Natürlich eine Übertreibung, das beweist der dramatisch schnelle Verfall. Trotzdem rechne ich es ihm hoch an, dass er mich sieben Mal mit einem Gefühl nach Hause geschickt hat, das ich in Müngersdorf nicht mehr kannte. Nächste Saison greifen beim FC wieder die üblichen (Trainer)Mechanismen. Das ist frustrierend.

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