Samstag, 16. Oktober 2010

Psychokasten Müngersdorf

Der 1. FC Köln erzieht sein Publikum zu einem Haufen aggressiver Nörgler. Die Hartnäckigkeit, mit der Menschen im Kölner Stadion für Geld frustriert werden, ist bemerkenswert. Nur Manager Michael Meier bleibt gelassen. So auch nach dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund.

Es sind Momente, die das Verhältnis zum eigenen Fußballverein nachhaltig prägen. Erst hoffen, dann umfallen und schließlich zu sehen, wie 10000 Dortmunder durchdrehen, die Gästebank aufs Spielfeld rennt, der Gast-Keeper ekstatisch über den Platz sprintet. Jeder erahnte den Moment des Knockouts, dabei hoffte jeder auf den Moment des totalen Glücks.
Die Wiederholung der Ereignisse gegen Dortmund vergrößerte die Ohnmacht entschieden.

Das schlimme Ende des FC-Heimspiels gegen Borussia Dortmund erschlug das Heimpublikum. Niemand war in der Lage, spontan seine Enttäuschung auszudrücken. Stattdessen gab's Applaus für die Spieler. Nur ein - wohlgemerkt vorher geplantes - Plakat, das nach Spielende entrollte wurde, erinnerte Spieler und Trainer daran, dass Einsatz nicht reicht, wenn man am Ende verliert.

Die Dortmunder Gäste reisten mit dem wohl stimmgewaltigsten Anhang an, der sich seit langer Zeit in Müngersdorf eingefunden hatte. Fast 100 Prozent des Gästeblocks gesangsbereit, dazu viele Gelbe im Stadion verteilt. Die Südtribüne hatte Schwierigkeiten, dagegen anzusingen. Anderseits muss man den Gäste-Auftritt relativieren: Klar, Dortmunds Auswärts-Mob ist in den vergangenen Jahren außergewöhnlich gut. Klar ist aber auch, dass nach einem solchen Saisonstart auch der größte Skeptiker überzeugt ist, alles zu geben.

Das FC-Publikum mutiert derweil zunehmend zu einer gefährlichen Mischung aus aggressiven Nörglern, die jedoch erst durch den Psycho-Schauplatz Müngersdorf dazu gemacht wurden.

Bemerkenswert war außerdem, dass FC-Trainer Soldo nun schon im zweiten Heimspiel bei Verkündung der Aufstellung mit großer Leidenschaft ausgebuht wurde. Neu ist dieses Gefühl für Miso Brecko. Nach einigen unglücklichen Aktionen pfiff ihn das Heimpublikum in der ersten Halbzeit nieder - Pierre Wome lässt grüßen. Einen dritten - diesmal spontanen - Ausbruch der Entrüstung gab es, als Michael Trippel vermeldete, das Stadion sei ausverkauft. AUSVERKAUFT! Schon wieder, wir kommen immernoch hierhin, sehen diesen Mist, kapiert ihr das eigentlich? So, oder so ähnlich dürften es viele Leute empfunden haben.

Beruhigend ist es als Anhänger auch nicht, wenn man sieht, wie der FC-Manager nach dem Spiel mit einem Lächeln verkündet, dass ja alles so weitergehen könnte wie bisher. Ein Manager, der eine bundesuntaugliche Mannschaft zusammengestellt hat, der glaubt, dass Poldi auf hohem Niveau jammert und es geschafft hat, nun keinen Bundesliga-Torwart mehr zu haben.

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