Der FC und seine Ex-Spieler - in der Vergangenheit war das häufig eine für unseren Klub unangenehme Geschichte. Dann nämlich, wenn die Ex-Spieler besonders motiviert gegen den Effzeh zu Werke gingen. Zuletzt bezwangen uns Carsten Baumann, Tobias Nickenig und Oliver Schröder mit Erzgebirge Aue.
Auf Grundlage des Kicker-Sonderheftes habe ich einmal rausgesucht, in welchen Klubs noch weitere Ex-FC-Spieler und Trainer sich in dieser Saison auf uns freuen.
Ganz schön erstaunlich: Insgesamt gibt's in 12 der 17 übrigen Zweitligisten Spieler oder Trainer mit FC-Vergangenheit.
Hertha BSC
Jos Luhukay, Co-Trainer von 2002-2005. Nach der Entlassung von Friedhelm Funkel auch kurzzeitig Interimscoach.
Marcel Ndjeng, ne kölsche Jung, von 1996 - 2004 im Klub.
1. FC Kaiserslautern
Enis Alushi, von 2003 - 2007 bei den FC-Amateuren. Dauerbrenner im Südstadion.
FC St. Pauli
Florian Kringe, von 2002-2004 beim FC, hat ein paar schöne Tore in der 2. Liga gemacht.
Marius Ebbers, von 2003-2005 im Klub. Unvergessen seine beiden Tore zum 3:2 Sieg gegen Dynamo Dresden nach 0:2 Rückstand in der Saison 2004/2005.
Christopher Buchtmann, kurz vor Saisonstart gewechselt, trägt bei St. Pauli nun die Nummer 10
Union Berlin
Michael Parensen, von 2007 bis 2009 bei den Amateuren aktiv. Ist mir jedoch nicht weiter aufgefallen.
Simon Terodde, kam 2009 über Düsseldorf zu den FC-Amateuren, traf im Dezember 2010 im unsäglichen Pokalspiel gegen Duisburg für die Profis
MSV Duisburg
Roland Müller, Torhüter, von 1998 (da war er 10) bis 2010 im Verein. Hat bereits 5 Länderspiele für die Philippinen. Hab den Namen ehrlich gesagt noch nie gehört
Daniel Brosinski, von 2008 bis 2010 beim FC, unvergessen sein Spiel bei Bayern München: erfolgreicher Ribery-Manndecker und Torschütze beim 2:1 Auswärtssieg
VFL Bochum
Lukas Sinkiewicz, von 1996 bis 2007 im Verein, FC-Kapitän, Nationalspieler, dann nach Leverkusen.
FC Ingolstadt
Marvin Matip, 2005 vom VFL Bochum als Riesen-Talent zum FC gekommen, konnte sich nie wirklich durchsetzen.
Moritz Hartmann, spielte von 2006 bis 2009 bei den Amateuren
FSV Frankfurt
Björn Schlicke, kam vom HSV, spielte die Saison 05/06 beim FC, zunächst sogar als Kapitän. Unvergessen: Sein Elfmeter zum 1:0 am 1. Spieltag gegen Mainz in der 90. Minute.
Erzgerbirge Aue
Carsten Baumann, verbrachte die meiste Zeit seines Fußballerlebens in Köln, ehe er 1998 zum BVB wechselte.
Tobias Nickenig, von 2007-2012 beim FC, unter Christoph Daum zwischendurch auch in der 1. Mannschaft
Oliver Schröder, von 2002-2004 beim FC, damals eine Leihgabe von Hertha BSC
SV Sandhausen
Timo Achenbach, von 2004-2005 beim FC und damals erfahrener U21-Nationalspieler
VfR Aalen
Ralph Hasenhüttl, stets sympathischer Typ, in der Aufstiegssaison 99/00 beim FC.
Jahn Regensburg
Christian Rahn, von 2005 - 2006 beim FC, 5-Länderspiele. Kam damals im Winter vom HSV.
Thiemo Jerome Kialka, Jahrgang 1989, spielte von 2007 bis 2012 beim FC.
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Sonntag, 16. September 2012
Sonntag, 2. September 2012
Kevin Pezzoni: Shitstorm der Primaten
Eigentlich ist es eine nur logische Entwicklung. Man nehme: Die
Die Folge bei Erfolglosigkeit: Der Shitstorm für Fußballspieler. Wuchtiger, aggressiver und vermutlich viel verletzender, als man ihn bei anderen Themen kennt. Fußball ist Emotion, das
Man kann sagen: Das ist für die Spieler der Preis, wenn man im Mittelpunkt steht. Zu einem gewissen Teil ist das richtig. Ich behaupte aber: Im kollektiven Dummheitstaumel verliert ein Großteil jedes Maß. Der Fußballer als nützlicher Idiot.
Kevin Pezzoni musste in der vergangenen Woche eine beeindruckende Ansammlung von Schwarmdummheit ertragen. Er hat schlecht gespielt, er hätte nicht spielen sollen. Er hat Fehler gemacht, die mitentscheidend für den schlechten FC-Start waren.
Und dann liest er, wie ihn Tausende Leute bei Facebook beschimpfen, sagen, dass er endlich abhaun soll. Und dann sieht er, wie sich eine Gruppe bildet, der ihm auf die Fresse hauen will und Hunderte dieser Gruppe beitreten. Und dann stehen da tatsächlich Leute vor seiner Tür.
Niemand kann es ihm übel nehmen, dass er nie wieder etwas mit diesem Verein zu tun haben möchte.
Was ist das für ein Denken? Der nützliche Idiot, der soll uns also dankbar sein, sonst ziehen wir mal ganz andere Seiten auf? Und Facebook als perfekter Verstärker. Und wenn sich alles wie bei einem Brennglas fokussiert - umso besser und einfacher.
Allerdings: Wer sich wie eine Bande von Primaten benimmt, der darf sich nicht wundern, wenn er von den Spielern auch als solche angesehen wird.
Nun sind sich wieder alle einig: Das darf es nicht geben. Die so genannten "echten" Fans machen so etwas nicht. Einige wenige Idioten. Und natürlich: Jeder sollte doch bitte auch einmal über sich selbst nachdenken. Das ist gut gemeint: Im Profil-Fußball aber wohl einer der wirkungslosesten Sätze, die es überhaupt gibt. Denn eines ist ganz gewiss: Irgendetwas ändern wird sich durch diesen Vorfall nicht
In der Bundesliga-Welt ist alles auf Dienstleistung ausgerichtet. Beim FC habe ich meine Kundennummer. Das Verhältnis zwischen Zuschauer und Spieler hat sich im vergangenen Jahrzehnt stark professionalisiert - besonders von Seiten der Zuschauer. Das muss man nicht gut oder schlecht finden, man sollte es aber zur Kenntnis nehmen. Welche Folgen das auch haben kann, sehen wir nun bei Kevin Pezzoni.
Derzeit bin ich froh, nicht zu Heimspielen fahren zu können und nicht unter allen diesen längst abgestumpften Zynikern sitzen zu müssen, die schon viel zu lange eine Dauerkarte haben und sich jahrelang schlechte Spiele ansehen mussten. Ich genieße es, im Auswärtsblock zu stehen, mit 2000 Leuten, die ihren Verein unterstützen. Ich finde es gut, dass die aktive Szene geduldig ist und hinter dem Neuanfang steht. Und ich würde mir wünschen, dass einige Leute nicht ihr Hirn abgeben, wenn sie anfangen, an den FC zu denken.
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Dienstag, 7. August 2012
Eintracht Braunschweig - 1. FC Köln: Das hat Spaß gemacht, Jungs!
Das Gegentor, der Schlusspfiff, der aufgekratzte Herzschlag in den letzten Minuten - das waren die hässlichen Momente bei der 0:1 Niederlage des 1. FC Köln bei Eintracht Braunschweig.
Es magtreudoof klingen, aber der Tag bleibt mir insgesamt in guter Erinnerung. Endlich befreit von Seilschaften der Vergangenheit, Mannschaft und Fans präsentieren sich ordentlich - das alles hat mir viel besser gefallen, als das fiese Gegurke eines zerfallenen Gebildes eine Liga höher. Bleibt nur die Frage, wie lange man so geduldig ist...
Es mag
[ge]sehen: Die Meisterschale in der Frontscheibe eines FC-Busses auf dem Gästeparkplatz. Über den Fanclub-Namen schweigen wir genüsslich.
[ge]spürt: Unglaublich, wie heiß der Gästeblock drauf war, dass es wieder
losgeht. Einige freuten sich wie kleine Kinder. Eine Stunde vor Spielbeginn: Das erste Klatschen, dann hallt zum
ersten Mal ein "FC" durchs Stadion. Unbezahlbares Gefühl!
[ge]freut I: Fast alle FC-Spieler gehen nach Spielende am Zaun entlang und klatschen die Fans ab. Ich glaube, eine solche Nähe ist besonders wichtig: Denn in genau diesen Momenten schnappen die Spieler viel auf, hören aufmunternde Sätze und sehen den Leuten dabei direkt in die Augen. Wie oft ist das in den letzten Jahren passiert? Genau, nie.
[ge]freut II: Die Unaufgeregtheit der Gastgeber. Eigentlich ist es zu erwarten, dass der Stadionsprecher im Moment des Schlusspfiffs alle Dämlichkeiten ablässt, die er während des Spiels nicht verlautbaren konnte. Diesmal das komplette Gegenteil. Nichtmal Party-Musik in überdrehter Lautstärke, auch vor dem Spiel nicht. Sehr, sehr angenehm.
[ge]wundert (oder auch nicht): Ordner am Gästeblock-Eingang, die in der Sommerpause mindestens so viel Zeit im Fitnessstudio und beim Tätowierer verbracht haben, wie die FC-Truppe auf dem Trainingsplatz
[ge]sungen: Viel und laut und das ganze Spiel. Ging aber auch gar nicht anders - weil ausnahmslos alle mitgemacht haben.
[ge]ärgert: Bier (0,5 l für 3 Euro) ohne Alkohol. Was sicher keine Überraschung war. Besonders bitter: Die Auswärtsspiele, wo es anders sein wird, kann man vermutlich an einer Hand abzählen.
[ge]dacht: Vielleicht wird's in einigen Monaten bei Auswärtsspielen ja wieder wesentlich familiärer.
[ge]fühlt (mit): Timo Horn. Durfte in der Vorbereitung keine wirkliche Parade zeigen. Konnte es diesmal auch nicht.
[ge]freut III: Über die Stimmung. Und die Anerkennung der Heimfans dafür.
[ge]kauft: Zwei eiskalte Bier. Auf der Rückfahrt an der Tankstelle.
[ge]merkt: Die Vorverkaufs-Taktik der Braunschweiger hat geklappt. Außerhalb des Gästeblocks waren kaum Kölner.
[ge]wundert (oder auch nicht) II: Polizei mit Schienbeinschonern, alle FC-Fans mussten auf einen seltsam improvisierten und blickdicht verpackten Parkplatz vor dem Gästeblock. Jeder Fan betrat das Stadion durch ein Nadelöhr mit mehreren Durchlässen. War vermutlich alles hochimprovisiert, wirkte aber sorgfältig ausgedacht.
[ge]dacht: Der Trend geht ja dahin, alle taktischen Feinheiten neuerdings auseinander zu nehmen. Wie kann man Poldolski perfekt in Szene setzen? Was ist nun wirklich die hohe Schule des Fußballspiels? In der 2. Liga wird das alles ein wenig zurückgefahren - auch die Ansprüche. Wirkte am ersten Spieltag richtig wohltuend.
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Freitag, 25. Mai 2012
Der Abrisswahn und die Folgen
Von der Stimmungshochburg zur Plastikschalenwüste. Nach 86 Jahren wird das Georg-Melches-Stadion an der Hafenstraße in Essen abgerissen. RW Essen spielt künftig in einem Neubau wenige Meter weiter. Das ist gefährlich, denn häufig rauben neue Arenen den kleineren Traditionsklubs ihr Gesicht - anstatt sie zu sanieren.
Dies ist kein Beitrag für Leute, die 2006 auf der Fanmeile zum ersten Mal bewusst ein Fußballspiel gesehen haben. Und auch nicht für solche, deren Liebe zu Borussia Dortmund erst vor zwei Jahren wieder erstarkt ist. Dies ist ein Beitrag für Leute, die Montagsabends auf den - alten - Stufen am Millerntor gestanden haben, sich auf dem alten Tivoli gedrängt haben oder die gerne an die Hafenstraße gingen.
Ja, dieser Beitrag ist mit heißem Herz und nicht mit kühler Feder geschrieben. Das klingt vielleicht nach kitschiger Früher-War-Alles-Besser-Romantik, die mit den Bundesliga-Neubauten und der (überzeugenden) Wutrede von Uli Hoeness ("Eure Scheiß Stimmung") doch eigentlich überwunden geglaubt war. Das stimmt nicht ganz. Denn bei einigen Vereinen ist das Thema aktueller denn je.
Die großen Klubs in Deutschland spielen längst modernen Arenen. Das ist nötig wie professionell, wenn man bedenkt, dass die Bedeutung des Fußballs niemals höher war als in der heutigen Zeit. Und wer will schon etwas gegen die Entwicklung sagen, dass Dortmund mit 80000 (!) Fans zum Pokalfinale nach Berlin kommt, dass hunderttausende Menschen Spiele zwischen dem BVB und Bayern sehen wollen, dass die Nationalspieler so populär sind, wie noch nie? Geschenkt.
Es geht in diesem Text nicht um die Großen, die die Massen begeistern - es geht um die Kleinen, besser gesagt: Die Kleineren, die früher Großen; und die, die den Fußball kennen, bevor er so populär wie heute wurde. Natürlich, sie eifern den Großen nach. Das aber bedroht sie in ihrem Wesen.
Der neue Fertigbeton hat nicht nur Einzug die neuen Hauptorte der dritten Liga, wie Heidenheim und Wehen gehalten. Längst wurden damit auch die traditionsreichen Orte der Vergangenheit planiert. Ende der 90er Jahre wurden er zunächst auf der Bielefelder Alm verlegt, inzwischen ist er auch auf dem Bieberer Berg in Offenbach installiert, das Tivoli-Stadion in Aachen ist von einem Hexenkessel zur Plastikschalenwüste mutiert. Und nun wird auch in Essen ein neues Stadion gebaut.
Die Vereine betonen die Notwendigkeit kompletter Stadionneubauten. Weit am Horizont steht für sie irgendwo eine Rückkehr auf die große Fußballbühne. Was die Klubs dabei vergessen, sind die Faktoren, die ihren Verein noch immer attraktiv erscheinen lassen. Dinge, die bei Vereinen direkt unterhalb des Profifußballs viel wichtiger sind, als bei den Big-Playern, wo die Masse, die riesige Medienpräsenz,alles vieles ausgleicht.
Faktoren, wie die drei Tribünen von Essen, wie die Steh-Gegengerade in Bielefeld. Ein bisschen schief, ein bisschen unperfekt, ein bisschen alt - aber mit einer Verbindung zu dem, was den Verein ausmachte, als die Leute von ihm fasziniert wurden. Sie atmet Geschichte, erzeugt Atmosphäre. Natürlich modernisierungsbedürftig - allerdings: Nicht abrisswürdig!
Die richtige Balance zwischen Alt und Neu ist in vielen neuen Stadien der sogenannten Traditionsvereine mittlerweile ausradiert. Das ist gefährlich. Man kann eine neue Steh-Tribüne, wie in Offenbach bauen, die Faszination der alten wird sie nicht mehr erreichen. Man kann ein neues Stadion in Essen bauen - die alte Haupttribüne wird unerreicht bleiben.
Viele der Klubs setzen vor einem Neubau ihre ganze Hoffnung in eine moderne Arena. Motto: Wenn das Ding erstmal steht, wird schon alles gut. Dass eben nicht alles gut wird, das wird gerne vergessen. In Wahrheit blenden sie den ohnehin schmalen Grad zwischen Notwendigkeit und Flair des Klubs, das zunächst vielleicht Unbewusste, vollständig aus - die Finanzierung einmal völlig außen vor gelassen.
Den Spagat zwischen neuem Stadion, neuer Begeisterung und Wahrung des Gesichts haben unterhalb der 1. und 2. Liga bislang jedenfalls viel weniger Vereine gemeistert, als man es zunächst annehmen konnte.
Ja, ein neues Stadion ist wichtig für die Zukunft - genauso wichtig aber ist es, die Vergangenheit zu bewahren. Das gilt besonders für die Vereine, die kaum etwas anderes haben, als die schöne Erinnerung an frühere Zeiten.
Übrigens: Es gibt auch Beispiele, wo es vorbildlich gelungen ist, eine Spielstätte zukunftstauglich zu machen und zugleich ihren Charakter beizubehalten, wie etwa an der Alten Försterei in Berlin. Woanders kommt die Planierraupe.
Glaubt jemand ernsthaft, dassder neue Bieberer Berg das neue Sparda-Bank-Hessen-Stadion, die neue Hafenstraße anders werden als die Alm Schüco Arena, der Tivoli? Auf Jahre hinaus nehmen sich Vereine wie Offenbach und Essen mit den Neubauten ein Stück ihrer Faszination.
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| Das Georg-Melches-Stadion in Essen im Jahr 2005. Hier wird nie wieder ein Fußballspiel stattfinden |
Dies ist kein Beitrag für Leute, die 2006 auf der Fanmeile zum ersten Mal bewusst ein Fußballspiel gesehen haben. Und auch nicht für solche, deren Liebe zu Borussia Dortmund erst vor zwei Jahren wieder erstarkt ist. Dies ist ein Beitrag für Leute, die Montagsabends auf den - alten - Stufen am Millerntor gestanden haben, sich auf dem alten Tivoli gedrängt haben oder die gerne an die Hafenstraße gingen.
Ja, dieser Beitrag ist mit heißem Herz und nicht mit kühler Feder geschrieben. Das klingt vielleicht nach kitschiger Früher-War-Alles-Besser-Romantik, die mit den Bundesliga-Neubauten und der (überzeugenden) Wutrede von Uli Hoeness ("Eure Scheiß Stimmung") doch eigentlich überwunden geglaubt war. Das stimmt nicht ganz. Denn bei einigen Vereinen ist das Thema aktueller denn je.
Die großen Klubs in Deutschland spielen längst modernen Arenen. Das ist nötig wie professionell, wenn man bedenkt, dass die Bedeutung des Fußballs niemals höher war als in der heutigen Zeit. Und wer will schon etwas gegen die Entwicklung sagen, dass Dortmund mit 80000 (!) Fans zum Pokalfinale nach Berlin kommt, dass hunderttausende Menschen Spiele zwischen dem BVB und Bayern sehen wollen, dass die Nationalspieler so populär sind, wie noch nie? Geschenkt.
Es geht in diesem Text nicht um die Großen, die die Massen begeistern - es geht um die Kleinen, besser gesagt: Die Kleineren, die früher Großen; und die, die den Fußball kennen, bevor er so populär wie heute wurde. Natürlich, sie eifern den Großen nach. Das aber bedroht sie in ihrem Wesen.
| Eng, enger, Tivoli. Damals renovierungsbedürftig, heute abgerissen. |
Der neue Fertigbeton hat nicht nur Einzug die neuen Hauptorte der dritten Liga, wie Heidenheim und Wehen gehalten. Längst wurden damit auch die traditionsreichen Orte der Vergangenheit planiert. Ende der 90er Jahre wurden er zunächst auf der Bielefelder Alm verlegt, inzwischen ist er auch auf dem Bieberer Berg in Offenbach installiert, das Tivoli-Stadion in Aachen ist von einem Hexenkessel zur Plastikschalenwüste mutiert. Und nun wird auch in Essen ein neues Stadion gebaut.
Die Vereine betonen die Notwendigkeit kompletter Stadionneubauten. Weit am Horizont steht für sie irgendwo eine Rückkehr auf die große Fußballbühne. Was die Klubs dabei vergessen, sind die Faktoren, die ihren Verein noch immer attraktiv erscheinen lassen. Dinge, die bei Vereinen direkt unterhalb des Profifußballs viel wichtiger sind, als bei den Big-Playern, wo die Masse, die riesige Medienpräsenz,
Faktoren, wie die drei Tribünen von Essen, wie die Steh-Gegengerade in Bielefeld. Ein bisschen schief, ein bisschen unperfekt, ein bisschen alt - aber mit einer Verbindung zu dem, was den Verein ausmachte, als die Leute von ihm fasziniert wurden. Sie atmet Geschichte, erzeugt Atmosphäre. Natürlich modernisierungsbedürftig - allerdings: Nicht abrisswürdig!
Die richtige Balance zwischen Alt und Neu ist in vielen neuen Stadien der sogenannten Traditionsvereine mittlerweile ausradiert. Das ist gefährlich. Man kann eine neue Steh-Tribüne, wie in Offenbach bauen, die Faszination der alten wird sie nicht mehr erreichen. Man kann ein neues Stadion in Essen bauen - die alte Haupttribüne wird unerreicht bleiben.
| Die Alte Försterei in Berlin nach der Modernisierung. Der Charakter des Stadions wurde beibehalten. |
Viele der Klubs setzen vor einem Neubau ihre ganze Hoffnung in eine moderne Arena. Motto: Wenn das Ding erstmal steht, wird schon alles gut. Dass eben nicht alles gut wird, das wird gerne vergessen. In Wahrheit blenden sie den ohnehin schmalen Grad zwischen Notwendigkeit und Flair des Klubs, das zunächst vielleicht Unbewusste, vollständig aus - die Finanzierung einmal völlig außen vor gelassen.
Den Spagat zwischen neuem Stadion, neuer Begeisterung und Wahrung des Gesichts haben unterhalb der 1. und 2. Liga bislang jedenfalls viel weniger Vereine gemeistert, als man es zunächst annehmen konnte.
Ja, ein neues Stadion ist wichtig für die Zukunft - genauso wichtig aber ist es, die Vergangenheit zu bewahren. Das gilt besonders für die Vereine, die kaum etwas anderes haben, als die schöne Erinnerung an frühere Zeiten.
Übrigens: Es gibt auch Beispiele, wo es vorbildlich gelungen ist, eine Spielstätte zukunftstauglich zu machen und zugleich ihren Charakter beizubehalten, wie etwa an der Alten Försterei in Berlin. Woanders kommt die Planierraupe.
Glaubt jemand ernsthaft, dass
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