Dienstag, 7. August 2012

Eintracht Braunschweig - 1. FC Köln: Das hat Spaß gemacht, Jungs!


Das Gegentor, der Schlusspfiff, der aufgekratzte Herzschlag in den letzten Minuten - das waren die hässlichen Momente bei der 0:1 Niederlage des 1. FC Köln bei Eintracht Braunschweig. 

Es mag treudoof klingen, aber der Tag bleibt mir insgesamt in guter Erinnerung. Endlich befreit von Seilschaften der Vergangenheit, Mannschaft und Fans präsentieren sich ordentlich - das alles hat mir viel besser gefallen, als das fiese Gegurke eines zerfallenen Gebildes eine Liga höher. Bleibt nur die Frage, wie lange man so geduldig ist...

[ge]sehen: Die Meisterschale in der Frontscheibe eines FC-Busses auf dem Gästeparkplatz. Über den Fanclub-Namen schweigen wir genüsslich.
[ge]spürt: Unglaublich, wie heiß der Gästeblock drauf war, dass es wieder losgeht. Einige freuten sich wie kleine Kinder. Eine Stunde vor Spielbeginn: Das erste Klatschen, dann hallt zum ersten Mal ein "FC" durchs Stadion. Unbezahlbares Gefühl!
[ge]freut I: Fast alle FC-Spieler gehen nach Spielende am Zaun entlang und klatschen die Fans ab. Ich glaube, eine solche Nähe ist besonders wichtig: Denn in genau diesen Momenten schnappen die Spieler viel auf, hören aufmunternde Sätze und sehen den Leuten dabei direkt in die Augen. Wie oft ist das in den letzten Jahren passiert? Genau, nie. 

[ge]freut II: Die Unaufgeregtheit der Gastgeber. Eigentlich ist es zu erwarten, dass der Stadionsprecher im Moment des Schlusspfiffs alle Dämlichkeiten ablässt, die er während des Spiels nicht verlautbaren konnte. Diesmal das komplette Gegenteil. Nichtmal Party-Musik in überdrehter Lautstärke, auch vor dem Spiel nicht. Sehr, sehr angenehm.
[ge]wundert (oder auch nicht): Ordner am Gästeblock-Eingang, die in der Sommerpause mindestens so viel Zeit im Fitnessstudio und beim Tätowierer verbracht haben, wie die FC-Truppe auf dem Trainingsplatz
[ge]sungen: Viel und laut und das ganze Spiel. Ging aber auch gar nicht anders - weil ausnahmslos alle mitgemacht haben.
[ge]ärgert: Bier (0,5 l für 3 Euro) ohne Alkohol. Was sicher keine Überraschung war. Besonders bitter: Die Auswärtsspiele, wo es anders sein wird, kann man vermutlich an einer Hand abzählen.
[ge]dacht: Vielleicht wird's in einigen Monaten bei Auswärtsspielen ja wieder wesentlich familiärer.
[ge]fühlt (mit): Timo Horn. Durfte in der Vorbereitung keine wirkliche Parade zeigen. Konnte es diesmal auch nicht.
[ge]freut III: Über die Stimmung. Und die Anerkennung der Heimfans dafür.
nicht [ge]gessen: Die VW-Bratwurst für 2,5 Euro
[ge]kauft: Zwei eiskalte Bier. Auf der Rückfahrt an der Tankstelle.

[ge]merkt: Die Vorverkaufs-Taktik der Braunschweiger hat geklappt. Außerhalb des Gästeblocks waren kaum Kölner.
[ge]wundert (oder auch nicht) II: Polizei mit Schienbeinschonern, alle FC-Fans mussten auf einen seltsam improvisierten und blickdicht verpackten Parkplatz vor dem Gästeblock. Jeder Fan betrat das Stadion durch ein Nadelöhr mit mehreren Durchlässen. War vermutlich alles hochimprovisiert, wirkte aber sorgfältig ausgedacht. 
[ge]dacht: Der Trend geht ja dahin, alle taktischen Feinheiten neuerdings auseinander zu nehmen. Wie kann man Poldolski perfekt in Szene setzen? Was ist nun wirklich die hohe Schule des Fußballspiels? In der 2. Liga wird das alles ein wenig zurückgefahren - auch die Ansprüche. Wirkte am ersten Spieltag richtig wohltuend.


Kommentare:

  1. Danke, wie immer schön geschrieben.

    "[ge]merkt: Die Vorverkaufs-Taktik der Braunschweiger hat geklappt. Außerhalb des Gästeblocks waren kaum Kölner."

    Wie lief die denn, die Taktik?

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  2. Die Tickets wurden im Vorverkauf nur am Leute abgegeben, die bei Eintracht bereits in der vergangenen Saison als Käufer registriert waren. Man konnte sich also nicht im Online-Shop anmelden und einfach Karten kaufen. Das war, wie man gesehen hat, ziemlich effektiv.

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