Sonntag, 8. Mai 2011

FC in Frankfurt: Chronologie der Rettung

Leute, fahrt mehr auswärts! Meine Reisen in fremde Stadien haben sich diese Saison auf's schmucklose Pflichtprogramm beschränkt. Ein schwerer Fehler! Nichts ist schöner, als einen erfolgreichen Fußballtag irgendwo in Deutschland zu verbringen, seinen Verein zu unterstützen - und dabei sehen, was das Leben sonst noch zu bieten hat…

9.23 Uhr Zug nach Siegen, mäßig gefüllt. Die Landschaft: Bäume, die Sieg, Wald, schnell gebaute Industriehallen, eine Straße
10.30 Uhr Aufm Klo in Regionalzügen gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Man ist männlich. Zweitens: Man nutzt sie morgens
10.43 Uhr Ein Typ neben uns telefoniert: "Mir scheint die Sonne auf den Penis", johlt er hochzufrieden ins Telefon
11.00 Uhr Bimmelbahn von Siegen nach Gießen. Die Jungs neben uns drehen ihr Radio bis Anschlag. BAP & Co. trällern, erinnert an Aufstieg 2000, Lautsprecher über Belastungsgrenze
11.03 Uhr Der Schaffner winkt entnervt ab, als er im Zug kontrollieren will
11.10 Uhr Irgendeiner hat einen Drehschlüssel dabei. Damit kann man die Fenster öffnen. Das bringt Luft
11.30 Uhr Plastiktüten sind auf Auswärtsfahrten wichtige Gebrauchsgegenstände. Ich habe auch eine dabei. Die wird zunehmend leichter. Ein paar andere Jungs mischen sich Korn und Eistee, noch andere Wodka mit Eistee
11.34 Uhr Bier läuft durchs Abteil. Jeder, der nicht zum Fußball will, muss geschockt sein
11.50 Uhr Umstieg in Gießen. Der ganze Zug voller Frankfurter und Polizei. Ein Typ hat seinen Sohn dabei, der aussieht wie elf, aber angeblich 14 ist. Und fleißig Cola Bier trinkt. Wir gucken uns an. Schweißgeruch im Wagen, Rauchverbot ist aufgehoben
12.12 Uhr Meine Plastiktüte ist leer
12.15 Uhr Ein "Service"-Mitarbeiter der Bahn steht mit seinem Kaffee-Wagen völlig verzweifelt inmitten der Fußballfans
12.20 Uhr Wir sind uns mit den Frankfurtern schnell einig: Am besten, Wolfsburg steigt ab
12.45 Uhr Am Hauptbahnhof Polizei, am Stadion, eigentlich überall. Und alle tragen Helme
13.30 Uhr Im Stau vor der VIP-Tiefgarage wartet Steppi! Weißes Hemd, Schnurrbart, den Ellenbogen lässig am offenen Fenster. Genialer Typ! "Lebbe geht weider" rufen wir. Irgendwas ruft er zurück. Ich hab's nicht verstanden. War auch egal.
15.12 Uhr Es gibt Bier mit Alkohol im Stadion

15.30 Uhr Die Heimfans waren nicht bereit, sich irgendwelche Regeln aufzwängen zu lassen. Das war schon beim Einlaufen der Mannschaften zu sehen.
15.40 Uhr Beliebte Disziplin einiger Leute im Gästeblock: Halbvolle Bierbecher auf die Sitzplätze der Gegengerade werfen, die dort die Leute zusauen. Und wenn sie schockiert gucken, noch ein bisschen hinterherpöbeln
15.45 Uhr Chihi! Wie er sich nach dem Kopfball(!!!)Tor an die Bande stellt. Diesmal fügt sich alles
15.50 Uhr Als FC-Fan kann man den Gegner schon wieder mit Häme überziehen: "Auf Wiederseeeehen", "Ab-stei-ger". Wenn man sonst immer nur Nehmerqualitäten zeigen muss, tut das auch mal gut
16.15 Uhr Ein Frankfurter steckt seine Faust durch's Gästeblock-Gitter, trifft nicht, bleibt davor stehen, sucht Freunde für's Leben. Dumme Entscheidung. Nach der Bierdusche tropft er vom Kopf, durchnässt zieht er ab  
17.10 Uhr Endzeitstimmung! Frankfurt macht gar nichts mehr. Sanou darf spielen. Williiiiii! Dritter Becher. Die sind echt groß. Und ja, ich hab sie alle brav getrunken, nichts anderes
Eindeutig keine Text-Bild-Schere

17.20 Uhr Die geschlossenste Mannschaftsleistung der Saison zeigten alle FC-Spieler nach dem Abpfiff. Als sie sahen, dass die Frankfurter auf's Spielfeld liefen, sprinteten sie in die Kabine. Und wie schnell! Okay, das ist gemein. Schon jetzt hat der FC nämlich mehr Punkte geholt, als in allen erstklassigen Spielzeiten im vergangenen Jahrzehnt
17.25 Uhr Entspannt zugucken, wie die Heimfans am liebsten ihr eigenes Stadion zerlegen wollen 
17.30 Uhr Wir werden an der Heimkurve entlang geführt. Gerät zum Triumphmarsch
18.36 Uhr Irgendwann fährt der Sonderzug ab, am Rhein entlang. Kein Bier, kein Wasser, verkatert, Stehplatz, 3 Stunden Fahrt. Egal. Alles egal!
21.23 Uhr Jubel, als wir über die Südbrücke fahren, den Leuten am Südbahnhof winken. Wie pathetisch! Hier kommen die Heimkehrer
21.36 Uhr Endstation Köln Hauptbahnhof
22.03 Uhr Kölschtreff Hauptbahnhof. Ein versoffener Schalker sitzt an der Theke
22.23 Uhr Im Zug Heim sitzen ein Mainzer und ein Gladbacher ohne Zähne. Alle gut gelaunt
22.30 Uhr Niveauvoller Abschluss in der Döner Bude unseres Vertrauens
23.00 Uhr Volker Finke im Sportstudio



Blogroll

Eintracht
Adlerblog ("Blamable Kölner, desolate Leistung")
Blog G ("Heute tat das nicht weh, heute schäme ich mich")
Beves Welt ("Tor. Podolski. Stimmt, den gibt’s ja auch noch. Abpfiff. 0:2.")
The Diva and the kid ("Wie ein Veganer, der ausm Schlachthof berichten muss")
Rotundschwarz ("Jetzt ist der Arsch ab")
Frankfurter Neue Presse, Spielbericht aus Kultursicht - erfrischend anders
Stadtwaldgebabbel ("Kölner Unvermögen verhinderte eine höhere Niederlage")

FC
FCFP ("FC sah sich das Geschehen tiefenentspannt an")
FC-Blog ("Harmloses, wenn nicht gar langweiliges Spiel")

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